High End 2012 – die Highlights

Was denn sonst. Natürlich beginne ich meine Berichterstattung von der diesjährigen High End mit dem Auftritt von Silbatone. Genau – die, die immer die schönen alten Western Electric-Kinosysteme mit nach München bringen.

In diesem Jahr haben Mr. Chang und seine Mitstreiter nochmals einen draufgelegt und ein paar WE15A nebst Subwoofer ins M,O,C, (wer hat sich eigentlich diese idiotische Schreibweise ausgedacht?) gekarrt – wie angekündigt. Wieder mit dabei war Suzuki-San vom G.I.P.-Laboratory und seine modernen Interpretationen des WE-Gedankens.
Erst mal ein Schwung Fotos:


Jawohl, das ist der Gipfel des reproduktionstechnischen Wahnsinns. Und wahrscheinlich ist nur Chang selbst in der Lage, einen solchen Aufmarsch von Kostbarkeiten auf einer Messe irgendwie zu toppen. Was, soviel vorweg, reichlich schwierig werden dürfte, weil die noch größeren Kaliber kaum mehr im M,O,C, unterzubringen sind.

Ich persönlich brauche noch mehr nicht. Ich habe lange in der ersten Reihe in der Mitte gesessen und eine Maria Callas gehört, die live und wahrhaftig vor mir stand und sang. Etwas Vergleichbares habe ich von einem reproduzierenden System noch nicht gehört. Diese Trümmer von 1930 in Verbindung mit einem völlig irren Open Baffle-Subwoofer bringen das Kunststück fertig, Musik in Sachen Dynamik, Größe, Emotionalität und (in Grenzen) Tonalität echt darzustellen. Unglaublich.

Ein Stromausfall sorgte zwischenzeitlich für Störungen des Genusses und erforderte Umbauten, die dem System nicht unbedingt gut getan haben – der später eingesetzte 300B-Vollverstärker vermochte die Autorität und Selbstverständlichkeit der ursprünglichen Konfiguration jedenfalls nur noch teilweise darzustellen.

Das große G.I.P-System zielt zweifellos in eine ähnliche Richtung und vermag einen großen Teil der Faszination der großen WEs darzustellen, hier und da ist’s aber ein bisschen mehr „HiFi“ als das Original. Sehr beeindruckt hat mich das kleine System der Japaner, dass ein wenig wie eine geschrumpfte Altec A7 aussieht und mit einem Feldspulen-Sechszöller arbeitet. Kostet Gerüchten zufolge komplett 20000 US$ (oder Euro, kommt ja irgendwie auch nicht mehr drauf an) und spielt hervorragend: stramm, ansatzlos, mit ausgeprägtem Live-Charakter.

Musik kam natürlich meistens von Platte (ab und zu durfte auch ein zugegebenermaßen nicht schlecht klingendes Goldmund-Digitaldings CDs abspielen) – die Berliner Tonarmspezis Frank (Schröder) und Thomas (Schick) hatte jeweils extra ein Laufwerk für die Messe gebaut, logischerweise mit jeweils hauseigenen Armen bestückt.

Soviel an dieser Stelle. Wenn’s Fragen gibt -> Kommentarfunktion.

25 Gedanken zu „High End 2012 – die Highlights

  1. António Silva

    Hallo Holger.

    Was für eine Verstärkung trieb alles an bevor die 300B zum Einsatz kommten?

    Gruß aus Portugal

    António

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    1. hb Beitragsautor

      Da bin ich mir nicht ganz sicher. Möglicherweise war’s ebenfalls eine 300B, aber auf alle Fälle eine PP-Endstufe. Möglicherweise diese hier.

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  2. J-ROB

    A fun time was had by all in Munich.

    Most of all it was a meeting of friends, old and new.

    Thanks to everybody who joined in to make the party a success!

    Next year I am bringing The Doors „LA Woman“ and „Radar Love“ by Golden Earring…

    Joe

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    1. hb Beitragsautor

      Thank you Joe for your ongoing efforts to make this show a true experience. HiFi wouldn’t be the same any more without your wonderful installations.

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  3. Georg S.

    Interessante Messe dieses Jahr – nur überall auf den Fotos dieses alte (saugeile) Zeugs zu sehen – ja gab es denn gar nichts anderes dieses Jahr? (=> übersetzt heißt das: „wir erwarten alle mit Spannung Deine weiteren Fotos von der Messe, Holger“)… :-)

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    1. hb Beitragsautor

      Hi Georg, jau, da warten noch so 800 Bilder aufs Aussortieren und Nachbearbeiten. Ich arbeite dran.

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  4. Tricatel

    Ich fand auch die Ocean Way Monitore extrem gut. Die haben mich emotional mindestens genauso gepackt wie die WE 15As.

    Extrem spannend fände ich in der K & T ein Konzept eines solchen Subwoofers – wie von Silbatone verwendet – vorzustellen. Einfach nachzubauen scheint er ja…

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    1. hb Beitragsautor

      Wenn das mal nicht Ärger mit Axel Ridtaler gäbe – irgendwie ist da ja auch ein Ripol im Spiel.
      Abgesehen davon finde ich die Verschaltung des 30″-EVoice-Tieftöners und des 15″-Altecs interessant – die scheinen nämlich schlicht in Reihe zu hängen :D.

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  5. DerAlteDachs

    Tolle Bilder von Silbatone/G.I.P. …. ich hätte vielleicht doch nach München fahren sollen.
    Sehr spannend finde ich dies „Mini-Vott“ mit dem 4198/6251, sowas könnte ja auch mal jemand ohne turnhallengroßen Hörraum stellen. Holger, kannst du vielleicht ein bischen was über diesen Lautsprecher erzählen ??

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    1. hb Beitragsautor

      Jawohl, das war ein äußerst spannender Lautsprecher. Die eingesetzten Treiber siehst du auf den beiden darauf folgenden Bildern. Der Fieldcoil-Achtzöller soll um 6000$ kosten, die komplette Box um 20000$. Wenn ich mich nicht dramatisch täusche, dann sind das Paarpreise (immerhin ;-)).

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      1. DerAlteDachs

        Wie konnte ich auch nur auf die schräge Idee kommen, dass das ganze noch im 4-stelligen Preisbereich angesiedelt sei ;-) Weißt du vielleicht, ob es Gehäusepläne gibt, so das man das Gehüse sebst baue kann und „nur“ die Treiber kaufen muss ?

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  6. Icy-Medien GmbH

    Hallo Holger,

    zunächst danke für die vielen schönen Bilder die Du eingestellt hast, ruft teilweise schöner Erinnerungen hervor. Ein Satz Deines Berichtes zu den großen WE Hörnern gibt mir zu denken

    „“bringen das Kunststück fertig, Musik in Sachen Dynamik, Größe, Emotionalität und (in Grenzen) Tonalität echt darzustellen. Unglaublich.““

    Wir haben uns die Dinger auf Dein Anraten hin auch angehört:

    Dynamik: ja, unglaublich was solche System rausschmeißen können.

    Größe: tja die Größe…….. der Sänger und Sängerinnen war teilweise bis zu drei Meter hoch und oft ebenso breit. Das ist auch unglaublich, aber unglaublich schlecht, oder sagen wir lieber unecht.

    Emotionalität: Mich zumindest hat soviel Emotionalität am Schluss wahrlich aus dem Raum getrieben. Eine Mono-Schallplatte, vollkommen verzerrte Gitarre, aber nicht die Gitarre, sondern eindeutig von der Platte runter, in einer Lautstärke das ich um meine Ohren Angst bekam ……..das war einfach zum Erbrechen, da war es dann endgültig gut.

    (in Grenzen) Tonalität: nicht vorhanden möchte ich meinen, passt dann auch gut mit Deiner Aussage „Frequenzgang wird überbewertet“ zusammen.

    Wir hatten Dich ja nach Deinem persönlichen Favoriten gefragt und haben diese Hörner genannt bekommen. zumindest ich frage mich allerdings ob Du uns ein klein wenig auf den Arm nehmen wolltest, schelmig wie Du oft bist ;-)

    Glücklicherweise können sich diese Teile nur ganz wenige aufstellen oder gar leisten. Die, die es können, haben es vermutlich auch nicht besser verdient. Diese Leute kaufen sich solche Sachen so oder so nur nach dem Motto….mein Pferd, mein Auto, mein Haus………und Statussymbole können diese Hörner wahrlich sein.

    :-) Theo

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    1. hb Beitragsautor

      Hi Theo,
      ich habe dich (euch) bei eurer „Konfrontation“ mit dem System gesehen. Es liefen gerade Dinge, die nicht so richtig schön waren ;-). Dass das nix für euch war, will ich gerne glauben. Ich hab‘ mich nun fünf Tage lang recht intensiv mit dem System beschäftigt und ich habe meine Aussagen mit Bedacht gewählt. Und wenn man richtig sitzt und die richtigen Aufnahmen laufen, dann ist die Gesangsstimme eben nicht riesig groß.
      Und abgesehen davon würde ich dich bitten, mal andere Dinge von mir zu zitieren als einen dummen Spruch, den ich mal in einem halbwegs privaten Umfeld unter sechs bis acht Augen gemacht habe.

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    2. Markus

      Ja, ja, die Geschmäcker sind verschieden.

      Kliene Masse des Treibers, großes Horn für die Kopplung an den Raum, das senkt auch für mich den „Reproduktionscharakter“ deutlich. Ich höre die Fehler der WEs durchaus und weiß auch nicht, ob ich das wirklich zuhause haben wollte, aber das Einreissen der Grenze zwischen Quelle und Raumklang ist so wichtig, und gelingt den Silbatone-Herren (auch an dieser Stelle vielen Dank) so radikal und nachhaltig, dass ich jeden verstehen kann, der hier sein Nirvana findet.

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  7. michael

    Ich habe den WE Raum an mehreren Tagen wiederholt besucht. Beim ersten Besuch klang das echte „alte“ WE Horn fantastisch , die beiden Nachbauten dagegen enttäuschend, und das schon vor Betrachten der Preisliste. Ob das WE Riesenhorn bei seinem organischen Klang Instrumente und Stimmen grössengerecht wiedergibt würde ich allerdings auch bezweifeln. Aber der Klang ist einfach zutiefst organisch, so dass man sich im Raum rundherum wohlfühlt.

    Schade das die Nachbauten dagegen keinerlei Chance hatten und eher enttäuschenden Hifiklang boten, eine unglückliche Mischung aus Schärfen in einigen Frequenzbändern und dumpfen Suck-Outs in anderen, die irgendwie auch noch von der Laufzeit zeitlich divergierten. Ich sage das ungern, denn die auch zu sehenden Einzelkomponenten der Nachbauten waren zweifelsfrei mit enormem Aufwand gefertigt.

    Nachdem ich über die Jahre verschiedene der echten, alten und eine Reihe von Nachbauten jeder Preisklasse gehört habe, ist meine persönliche Schlussfolgerung, dass es nicht primär die Technik sondern die Jahrzehnte des Einspielen sind, die die spezielle Qualität der alten Systeme hervorbringt.

    In Kinos und Konzerthallen eingesetzt haben diese Systeme zigtausende Stunden menschliche Stimmen und Musik übertragen, wodurch alle ihrer Komponenten auf eine offenbar sehr schwer zu kopierende Weise auf genau diese Frequenzen eingeschwungen sind. Wie alte Gitarren nur dann richtig gut klingen, wenn sie viel gespielt wurden und nicht im Schrank standen.

    Die daraus erwachsene zutiefst organische Klangqualität ist unserem Hörempfinden so nah, dass man trotz der auch bei diesen Systemen deutlich hörbaren Fehler einfach nicht aus dem Raum gehen will.

    Die – neue – Elektronik der Münchner Kette war denn auch die Achillesferse des Systems und bei meinem zweiten Besuch klang dann leider auch das tolle alte WE Horn nur noch wie ein Schatten des Vortags, ganz offensichtlich war irgendwas mit der Elektronik ausgewechselt worden und nun klang das ganze System scharf und versprödet.

    Den Koreanern muss man dankbar sein, allein der Aufwand für den Überseetransport dieser riesigen Lautsprecher ist extrem hoch (und teuer). Auch ihre nobel bescheidene Präsenz und Präsentation der Vorführungen war beispielhaft .

    Vor einer pauschalisierenden Überhöhung der klanglichen Leistungen dieser wunderbaren Geräte würde ich abraten. Zu offensichtlich werden dabei die Mittel dem Zweck gebeugt, einen neuen Kult – und neue Päpste zu küren – (die ewige High-End Krankheit). Dabei bleibt die Glaubwürdigkeit und die viel wichtigere Chance auf der Strecke, differenzierend von diesen Geräten und ihrem Klang zu lernen, was viele Neuschöpfungen im Audio benötigen, damit Klang und Einklang wieder gemeinsam erlebbar werden.

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  8. Andreas

    „… die Berliner Tonarmspezis Frank (Schröder) und Thomas (Schick) hatte jeweils extra ein Laufwerk für die Messe gebaut, logischerweise mit jeweils hauseigenen Armen…“

    Auf Bild 19 wird ein spannender Plattenspieler gezeigt. Der „Bedienknopf“ erinnert doch starke an einen alten PE-33-Studio. Bei wem (der beiden) bekommt man denn mal nähere Informationen?

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  9. Frank

    Hi Andreas,
    Ich hätte den Bedienknopf und das Stroboskop-Fenster des PE33 Studio Plattenspielers zwar leicht weglassen oder durch ein Teil ohne „Wiedererkennungswert“ ersetzen könnnen, dachte mir aber: „mal schauen, wer das Laufwerk(ob seiner Grösse)überhaupt wahrnimmt/ernst nimmt/erkennt „.. :-)

    Als Ausgangsbasis für einen Laufwerks(Neu-)Aufbau ist der PE33 Studio sehr gut geeignet, mit etwas Geschick und Know-how lässt sich ein Gegenentwurf zu monströsen „schwerer gleich besser“(bedeutet tatsächlich erstmal:“mehr wiegt mehr“) -Drehern realisieren.

    Allzuviel Lob spare ich mir, sonst kosten die Teile auf ebay demnächst soviel wie ein 301 oder ein TD124….

    Cheers,

    Frank

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    1. Andreas (a.j.h.)

      Jau,
      Dank für die Information.
      Die Lobhudeleien in den Foren hat der Dreher ja bereits hinter sich. Und die darauf folgende große Preiswelle ist ja auch vorüber.
      Ich fahre den Dreher allerdings im Originalzustand (mit DL-103).

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  10. SGibbi

    Sehr-Vus, so trifft sich die PE Szene nun ausgerechnet bei Holger Barske ? Andreas, schön mal wieder miteinander zu posten. Bin gerade von einem weiteren stolzen 33er Besitzer hierher verlinkt worden. Was soll ich sagen ? „Wunder gescheh’n“, um Nena zu zitieren.

    @ Frank: Der legendäre Klassiker, den unsere Freunde Martina, Hartmut, Co. einst in meinen (Phonostufen) Vorführungen bei etwas nachdenklichem Gesicht meinem Vorführ Thorens bevorzugt haben, war selbstredend ein Perpetuum Ebner aus der Kombinationstriebler Reihe, allerdings das Modell PE 34, falls Du in diese Kerbe schlagen wolltest. Einen 33er habe ich mittlerweile auch, und bin nach wie vor einzig dokumentierter Sammler mit einem betriebsklaren PE 3310 studio. Seit der provokativen Ersterwähnung im Deutschen Internet, damals durch mich im AAA Board, sind mittlerweile runde 10 Jahre vergangen. Die Szene ist ruhiger geworden und wird seit Deinem PE Bekenntnis von den Forenbetreibern massiv gehemmt. Was ein Hinweis auf Händler ist, denn Internetdiskussion senkt die Exclusivität und wirkt stets preisdrückend.

    Wirklich teuer im Sinne eines Garrard 301 oder eines Thorens TD 124 wird der PE aber niemals werden. Das Gerät ist zwar wirklich gut, aber zu selten, die Ersatzteilsituation ist eine Katastrophe, die Fangemeinde ist zu klein. Wirklichen Aufwand für das Anlagern eines essentien gewerblichen Ersatzteilsatzes plus den Aufwand für das Hypen des Gerätes bekommst Du gewerblich nicht mehr zurück, weil sich das Geschäft von selbst auf ein paar Einzelstücke reduziert. Und wenn er teuer wird, hilft Gibbies Kombinationstriebler Liste, an der Du mitgeschrieben hast (Danke) zu Alternativen. In den USA kennt kein Mensch die Marke PE. Einige PE Modelle wurden dort unter Fisher verkauft. Und selbst, wenn wir die USA sensibilisieren, so reicht die Menge gefertigter PE 33er nicht einmal aus, um dort wenigstens eine nachhaltige Bekanntheit zu erlangen. International besehen manchen derzeit die Kombinationstriebler von Luxor (Schweden), Unitra (Polen, preiswert) und Kenwood (Japan, Top Design) das Rennen als Thorens Alternative.

    Alte Klassiker sollte man nicht mehr verbasteln, aber sehen wir die momentanen Probleme des PE 33 studio, so betrifft dies grottenschlechte Antriebsriemen, die per ebay billig verkauft das Laufwerk um Klassen reduzieren, zerbrochene oder verbastelte Tonarmlager, sowie defekte Systemeinschübe. Soweit man sich die etwas besseren Gummis von Svalander nachfertigen läßt, verbleiben doch die Probleme mit dem nicht normgemäßen (etwas zu kurzen) Tonarm. Eine veritable Lösung wäre sicherlich nicht unverkäuflich, daher finde ich das Projekt begrüßenswert.

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