High End 2011 – Betrachtungen, Teil 1

Natürlich haben Sie nicht wirklich gedacht, dass meine persönliche High End-Retrospektive mit etwas Anderem beginnen würde als dem Auftritt von Silbatone Acoustics. Und natürlich haben Sie damit völlig Recht. In diesem Jahr führten die Koreaner nicht nur wieder ein spektakuläres Kinosystem aus der Frühzeit der Reproduktionstechnik (konkret: ein Western Electric 16B von 1928) vor, sondern auch einen gewissermaßen modernen Lautsprecher aus dem GIP Laboratory. Im Übrigen war das der erste Messeauftritt überhaupt des (ich glaube japanischen) Unternehmens.

Ja, ja, Sie wollen was über das WE-Horn erfahren. Das 16B ist die weniger bekannte Variante der 16er Baureihe mit zwei Druckkammertreibern an jedem Hornhals. Das WE 16A, in letzter Zeit öfter ein Thema in HiFi-Kreisen, kommt mit einem Treiber pro Seite aus.

Es handelt sich um in gefaltetes Blechhorn mit relativ geringer Bautiefe, kam es ursprünglich doch hinter einer Kinoleinwand zum Einsatz. Obschon einteilig, erlaubt die Konstruktion echte Stereowiedergabe. Von Resonanzarmut kann keine Rede sein, wie Mr. Chang (der Chef der koreanischen Delegation) per Holzhammer immer wieder gerne unter Beweis stellte. Und wer der Meinung ist, dass so etwas doch unanhörbar sein müsste, der hätte sich an den ersten Messetagen durchaus in seiner Meinung bestärkt gesehen. Es hat nämlich etwas gedauert, bis das Setup rund um die alte Dame so stimmte, dass von Musikgenuss die Rede sein konnte. Schlussendlich aber hat’s sehr beeindruckend gespielt und wusste mit vollkommen HiFi-untypischer, extrem trockener und ansatzloser Wiedergabe zu begeistern. Sicher nicht das verfärbungärmste System aller Zeiten, aber der absolut überzeugende Live-Charakter des Systems war phantastisch. Das WE-Horn wurde hier von einem potenten Subwoofer mit vier Altec-Fünfzehnzöllern (515B) in Compound-Anordnung unterstützt, denn so ganz tief kann das Blechmonster denn auch nicht. Oben herum gilt Ähnliches: Für richtige Fullrange-Wiedergabe braucht’s zusätzliche Hochtöner, und die gab’s hier auch.

Interessanterweise spielte das gewaltige GIP-System so viel anders gar nicht; die zwei Achtzehner pro Seite machten ihre Sache unten herum vielleicht noch etwas müheloser, der Charakter war aber derselbe wie beim 83-jährigen Star der Messe: extrem locker, detailliert und entschlackt. Wenn ich mich entscheiden müsste, welchen Aufbau (den erforderlichen Ballsaal vorausgesetzt) ich den lieber beherbergen würde – die Entscheidung fiele nicht leicht.

Wie zu erwarten, war die riesige Silbatone-Demo denn auch ständig von der gesamten Hardcore-HiFi-Welt bevölkert. Die Berliner Plattenspieler- und Tonarm-Spezialisten Frank Schröder und Thomas Schick steuerten je ein Analog-Setup zum Gelingen des Ganzen bei (Digitales kam von einem ziemlich ernsten Stapel DCS-Geräte), JC Morrison als Konstrukteur der aktuellen Silbatone-Verstärkerträume (guckst du Berichterstattung vom letzten ETF) war vor Ort und der zweifellos entspannteste Mann der ganzen Messe in Gestalt von Jeffrey Jackson (einer der Betreiber des HiFi Heroin Blogs, siehe letztes Foto) auch. Großartige Truppe, ich hatte viel Spaß. Nirgends auf der Messe ging’s so locker und entspannt zu – kein Wunder, Mr. Chang und seine Mannen leisten sich diesen Auftritt nicht aus kommerziellen Beweggründen, sondern aus Spaß: Wenn’s den Besuchern gefällt, hat sich für sie der immense Aufwand gelohnt. Ich wage zu behaupten, dass das in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle so war, und deshalb wurden die Herren aus Asien auch von Tag zu Tag gelöster. Ich persönlich jedenfalls kann mich gar nicht genug dafür bedanken, so immens exklusive Gerätschaften einmal gehört haben zu dürfen.

Und ja, Mr. Chang und Joe Roberts, sein Mann fürs Internationale, versprachen ihre Präsenz auch auf der High End 2012, dann aber mal mit einem großen Lautsprecher :-) …

12 Gedanken zu „High End 2011 – Betrachtungen, Teil 1

  1. Mathias

    Moin Holger,

    mmmh, echt schöne Bilder und der Garrard mit Tonarm von Thomas Schick der gefällt mir auch sehr. Schade, das ich dieses Jahr keine Zeit hatte nach München zu kommen umso mehr freut es mich zumindest diese Bilder sehen zu können.

    Grüße,
    Mathias

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  2. christian

    Hallo,

    von welcher Firma ist der Plattenspieler auf dem vorletzten Bild? Ansonsten schöne eindrucksvolle Bilder von diese MEga Hörnern.

    gruß

    Christian

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  3. Hans-Jörg

    Moin Holger,

    vielen Dank für den schönen Bericht. Erlaube mir eine kleine Korrektur, der Subwoofer unter den WE 16B beherbergte 4 Altec 515B im Isobarik Gehäuse. Hat Joe Roberts im AAA Forum kurz beschrieben.

    Gruß

    Hans-Jörg

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  4. Caspar Bunge

    Great Review! Thanks a lot. We are also big fan of the work of Mr. Suzuki san. We are happy to tell that this GIP system is staying in Europe. For those who want to have a chill party, Please feel free to have a look in our Milk Factory and enjoy some time together. We are very proud and honoured to be able to expose this system in our venue.

    If you are interested have a look at this link.

    http://blog.audio-life.nl/2011/05/hifi-heroin.html and

    http://blog.audio-life.nl/2011/01/western-electric-gip-laboratory_16.html

    Bye

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