Hauptstädtisches

berlin_556Kürzlich war ich ein paar Tage in Berlin. Ausnahmsweise mal nicht dienstlich, sonder um ein paar Freunde zu besuchen. Okay, so ganz ohne Audiogedöns ging das auch nicht.

Zuerst möchte ich kurz von einem sehr interessanten Klavierkonzert zweier asíatischer Damen erzählen, das in einer alten Werkstatthalle der BVG stattfand und mir außerordentlich gefallen hat. Wo früher Busse repariert wurden, residiert seit einiger Zeit der „Piano Salon Christophori„, und das ist so ganz anders als das, was man sich unter einem Restaurationsbetrieb für alte Flügel vorstellen würde.
Zwischen Werkbänken, Farbeimern und allen möglichen Ersatzteilen dürfen die hergerichteten Schätzchen nämlich mit schönster Regelmäßigkeit auch öffentliche Auftritte absolvieren. Zwischen Klappstuhl, Sekt und Pilsken gibt’s gehaltvolle Kost und dank der exzellenten Raumakustik (großer Raum, Unmengen von Kram, fertig) klingt’s wurklich toll. Nicht ganz unschuldig daran dürfte wohl auch der größte Konzertflügel aller Zeiten, der „Quattrochord“ von August  Förster sein; zur Historie dieses Ungetüms gibt’s hier mehr zu lesen.
Klassik unterm Portalkran? Große Klasse. Und übrigens hervorragend besucht.


Und dann war ich auch noch in Charlottenburg, verbrachte einen sehr angenehmen Nachmittag mit Frank Schröder und nutzte die Gelegenheit, endlich mal den einen oder anderen Blick in die heiligen Hallen zu werfen. Die Gerüchte sind wahr: Frank hortet durchaus ernste Mengen hoch spannenden Equipments aus den besseren Tagen der Unterhaltungselektronik und erbringt abermals den Beweis dafür, dass in Sachen Raumakustik nichts über den Einsatz von viel Kram (s.o.) geht ;-).

3 Gedanken zu „Hauptstädtisches

  1. Johannes LeBong

    Toller Tipp, Holger, das mit dem ‚Salon Christophori‘, da will ich unbedingt mal hin!
    Hier bei uns in Karlsruhe gibt es auch einen alten Klavierbauer, der bei sich Hauskonzerte macht mit historisch interessanten Instrumenten. In kleinerem Rahmen selbstverständlich als in Berlin ;-)

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  2. Rudolf

    Ich war offensichtlich ein paar Tage vor Holger im Piano Salon. Es gab Geige, Klarinette und Klavier in gemischter Zusammenstellung. Die Akustik profitiert ganz erheblich vom „Gerümpel“ und der rasant zunehmenden Zuhörerzahl.
    Aber es braucht offensichtlich eine so dynamische Stadt wie Berlin, um auch mit jungen Talenten und eher ausgefallenen Programmen zu reüssieren.

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