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Fortschritte

jblkram01_556Größere Mengen Zeug trudeln ein. Treiber sind alle da bis auf die erst kürzlich bestellten Druckkammerkollegen vom Typ 2441 – da freue ich mich schon auf Zoll und Einfuhrumsatzsteuer – das lebensrettende Paket mit den Schallverteilerlinsen 2308 und den Kurzhörnern 2311 (es sind tatsächlich H93 und nun erzähle mir bitte niemand, dass das nicht dasselbe ist) ist auch da.

Ratioform hat einen durchaus beeindruckenden Karton mit Pappe geliefert, die Rohre gefallen mir gut. Eine erste Kontrolle offenbarte Maßhaltigkeit, die Stabilität ist auch erfreulich.

Die Basstreiber sind sind auch komplett. Selbstverständlich ist der mit Abstand billigste von den vieren (der für 20 Euro) der einzige, der wirklich noch anstandslos funktioniert, bei allen anderen sind die Spulen „toast“. Aber das interessiert mich wenig, weil ja nur Korb und Magnet von Bedeutung sind. Und die sind in allen Fällen, soweit ich das beurteilen kann, in einem sehr erfreulichen Zustand.

Erste Schritte

2405_556Heute sind die ersten Lieferungen mit Teilen eingetroffen, Den Anfang machte ein Paket aus den USA mit den beiden Superhochtönern, Schlitzstrahler vom Typ 2405H.
Dafür, dass das Ding erst ab sieben Kilohertz einsetzbar ist, macht es mit seinen 2,3 Kilogramm Nettogewicht ganz schön auf dicke Hose. Mein Pärchen macht einen ganz guten Eindruck, ein paar kleinere Zeichen der Zeit an den Gehäusen nehme ich in Kauf.
Ganz billig war’s nicht, aber als „Cheap Trick“ geht das Projekt ohnehin nicht durch.
Wer auf dem Laufenden bleiben will, wo sich die Kosten der ganzen Angelegenheit hin entwickeln – ich hab da mal ein Spreadsheet für zum Kucken angelegt, mit dem ich möglichst gewissenhaft Buch zu führen gedenke.

Reflexrohre

Es ist halt Ami-Gedöns. Und in Sachen Bemaßung daher „imperial“. Im Großen und ganzen ist das nicht das Problem, aber an einer Stelle zwickt’s etwas: bei den Bassreflexrohren. JBL hat dort Papprohre mit einem Innendurchmesser von 5 3/8″ verbaut, also 136,525 Millimeter. Sowas gibt’s kaum überraschenderweise nicht an jeder Straßenecke, in unseren Breiten schon mal gar nicht.

Ein Möglichkeit wäre, auf KG-Rohre DN125 zurückzugreifen. Die haben, wie der Name schon sagt, einen Innendurchmesser von 125 Millimetern. Akustisch ist das kein Problem, die erforderliche Verkürzung gegenüber dem Original zur Beibehaltung der Abstimmfrequenz ist auch kein Thema. Hinzu kommt der Umstand, dass es reichlich Winkelstücke gibt, denn die Reflexrohre der 4355 haben einen Knick. Die Rohre bestehen aus 3 mm starkem PVC, sind gut zu bearbeiten, einfach zu lackieren und als Reflexrohr bewährt, also ist doch alles toll… oder…?

Oder. Ich muss gestehen, dass mich der Einsatz von „Plastik“ bei einem so dicht am Original orientierten Projekt etwas schreckt, auch gefällt mir der Umstand, dass die passenden Öffnungen in der Schallwand gut einen Zentimeter kleiner sein müssten als beim Original, nicht so recht.

Der langen Rede kurzer Sinn: Hat jemand eine Idee, wie man an stabile Papprohre mit rund 14 Zentimeter Außendurchmesser kommt? Ich weiß, man kann so etwas anfertigen lassen aber ich befürchte, das sprengt etwas den finanziellen Rahmen.

Kleinigkeiten

4355ken_556Als ich mich mit dem Erscheinungsbild der JBL 4355 eine Weile auseinandersetzt hatte wurde klar, dass ein paar Details unbedingt so original wie möglich erhalten bleiben müssen, sonst droht die Sache doof auszusehen.
Ein Punkt dabei ist die Befestigung der drei großen Treiber. Die sind nämlich, ganz Profi-Style, nicht einfach durch ihre Befestigungslöcher mit der Front verschraubt, sondern geklammert. Die Suche nach geeigneten Klammern gestaltete sich gar nicht so einfach, die Zubehör-Industrie bietet nur schnöde L-Winkel aus Plastik oder mit Glück auch mal welche aus Blech.

Was man auf dem Bild oben sieht (übrigens eine aufgearbeitete 4355 vom japanischen Spezialisten Kenrick Sound, sehr lecker das), das sind amtliche Klammern aus Guss. Selbstverständlich hat JBL die mal selbst gebaut, es gibt sie unter der Typenbezeichnung MA-15 noch bei Ebay in den Staaten. Dreimal (für sechs Treiber braucht’s drei Sätze à acht Stück) 28€87 plus rund 26€ Versand, plus Zoll plus Einfuhrumsatzsteuer, das läuft auf etwa 140 Euro hinaus. Für ein paar Treiber-Befestigungsklammern. Ich hab’s ja gesagt, was wird hässlich…

Der Bass

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In der 4355 stecken zwei Tieftöner vom Typ 2235H. Das „H“ am Ende der Typenbezeichnung eines JBL-Treibers steht übrigens für acht Ohm Nennimpedanz, im Unterschied zum Suffix „G“ für vier und „J“ für 16 Ohm. Der 2235H gehört aus gutem Grund zu den beliebtesten Tieftönern auf dem Gebrauchtmarkt, mit eher wenig erfreulichen Konsequenzen für die Preisgestaltung.

Zum Glück allerdings hat JBL nicht für jeden Bass das Rad neu erfunden und eine ganze Reihe von Treibern mit dem gleichen „Hinterteil“ gebaut. Die Typen E140, 2205, 2225, 2234 und 2235 verfügen über identische Körbe und Antriebe. Also braucht es letztlich einen – gerne auch kaputten – Bass aus einer dieser Baureihen, ein gutes Reconing-Kit, jemanden, der den Umbau fachgerecht erledigt und voilà – ein praktisch neuwertiger Treiber ist kein Problem. Billig ist das zwar auch nicht, es reduziert aber zumindest die Gefahr, dass man auf unbrauchbarem Schrott sitzen bleibt.

Der 2235H ist ein richtiger Bass alter Schule mit einem Parametersatz, den heute kaum noch jemand so realisieren würde. Nach Thiele und Small sieht’s so aus:

  • fs: 20 Hz
  • QTS: 0,25
  • QMS: 2,5
  • QES: 0,28
  • VAS: 458,7 l
  • XMAX: 8,38 mm
  • BL: 20,5
  • MMS: 155 g

Zusammengefasst: Die sehr niedrige Eigenresonanz und das großes Äquivalentvolumen stehen für eine weiche Membranaufhängung, kombiniert mit einem allerdings ziemlich fetten Antrieb: Die niedrige Gesamtgüte und der ziemlich hohe Kraftfaktor sprechen für ordentlich Saft im Magnetspalt. Man kann mit solchen Treibern sehr tiefe Töne erzeugen, wenn man ihnen ordentlich Luft gönnt.

[Achtung: überflüssiges Gejammer eines Ewiggestrigen]
Heutzutage gibt’s solche Güten nur noch bei knochenhart eingespannten PA-Tönern; die laufen zwar in 50 Litern, können dafür aber ohne aktive Korrektur überhaupt keinen Bass. Macht ja nix, Belastbarkeiten von anderthalb Kilowatt sind heutzutage die Regel, und wenn man durch das vorgeschaltete DSP-Filter per fetter Schaltendstufe nur genügend Energie bei tiefen Frequenzen in den Töner drückt, dann macht’s auch sowas wie Bass. Beschaller mögen sich über die kleinen Gehäuse freuen, meinen Geschmack trifft diese Art, das Problem mit exzessiven Korrekturen und Unmengen von Leistung zu erschlagen nicht. Die klassische Vorgehensweise, solche Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen, ist mir da deutlich lieber. Mit dem 2235H geht das; der Treiber macht rund 93 Dezibel Wirkungsgrad, zwei parallel geschaltete entsprechend drei Dezibel mehr (bei gleicher Signalspannung). Deshalb reicht die Belastbarkeit auch dicke, genau so wie der moderate Maximalhub. Für diese Anwendung ist das nicht weniger als der perfekte Bass.
[/Achtung]

Interessante Überlegungen zu diesem Thema habe ich hier gefunden. Der Autor hat einige durchaus spannende Alternativen zum 2235H aufgetan; billiger allerdings wird’s damit in letzter Konsequenz auch nicht. Ich habe jüngst vier mehr oder weniger „angeschossene“ JBL E140 erworben, was, wie es aussieht, die günstigste Variante ist, an entsprechende Basismodelle zu kommen. Ich habe 20, 80, 100 und 100 Euro bezahlt, im Schnitt also derer 75. Ein komplettes professionelles Reconing kostet mich 150 Euro pro Treiber, macht also im Schnitt 225 Euro für einen „echten“ 2235H. Dafür bekomme ich keine der erwähnten Alternativen.

Das Warum, Teil 1

Beim Betrachten dieser Box stellte sich mir folgende Frage: „Wenn das da unten zwei Fünfzehnzöller sind, was um alles in der Welt nehmen die denn da als Mitteltöner?“ Unsere nicht eben impotente Schmitti Memorial noch im Hinterkopf, bei der wir zwischen einem 24-Zoll-Bass und einem AMT einen Achtzöller verbauten (zwar einen ziemlich leckeren von PHL, aber trotzdem nur einen Achtzöller), starrte ich gebannt auf die Monsterpappe, die JBL ins damalige Monitor-Flaggschiff gespaxt hatte. Bei der Beschäftigung mit jenem Prachtstück namens 2202H und der Art und Weise, wie er dort eingesetzt wurde fing ich langsam, aber sicher Feuer.

2202_556Photo courtesy: Harman international

Das Ding hat’s in sich. Das ist ein fetter Zwölfzöller mit hochkant gewickelter Vierzoll-Flachdrahtspule. Hört sich an wie ein feister Bass, hat aber auch mit der riesigen Spule nur 43 Gramm bewegte Masse – unfassbar. Mit einem Mörderantrieb (Qts: 0,16) und fast 100 Dezibel Wirkungsgrad muss das dynamisch eigentlich ziemlich Großartiges leisten können. In der 4355 läuft das Prachtstück zwischen 290 Hertz und 1,2 Kilohertz, das passt sicherlich gut. Zumal die passive Weiche ihn nur nach oben begrenzt, nach unten besorgt ein aktives Filter die Trennung zu den beiden Bässen.
Wer von Grund- bis Mitteltonbereich dermaßen auf dicke Hose macht, der kann schon mal kein ganz Schlechter sein. Zwei 2202H in (hoffentlich) gutem Zustand sind aus den USA auf dem Wege ins Ruhrgebiet. Ein Auktionsbetrag von 74 Euro und 2 Cent pro Stück ist erst einmal ein Grund zum Jubeln, aber leider sind die Schätzkes damit noch nicht hier. Den Endbetrag reiche ich nach, wenn das Paket da ist – die Zahlen werden unschön, das steht schon mal fest.

Vier drei fünf fünf

Eigentlich könnte ich ja mal nen Lautsprecher bauen, dachte ich mir neulich so. Bekanntermaßen tue ich das ja sonst kaum, also ist das doch mal eine originelle Idee.
Sarkasmus beiseite: Tatsächlich habe ich mich entschlossen, mal ein Paar Boxen nur für mich zu bauen. Also kein Klang + Ton-Projekt, sondern etwas aus ganz eigenem Antrieb. Etwas schon ziemlich Ausgefallenes, das sich ganz bestimmt nicht jeder ins Wohnzimmer zu stellen bereit ist: einen alten Studiomonitor namens JBL 4355. Das ist ein ziemlicher Koffer aus den Siebzigern mit zwei Fünfzehnzöllern pro Seite. Vier Wege. Wirkungsgrad. Gebaut als professionelles Abhörwerkzeug in den Hochzeiten von The Who, Led Zeppelin und Konsorten. Und genau dafür war’s gedacht: Diese Lautsprecher konnten ernsthaft rocken und richtig einstecken.

4355ori_556Photo courtesy: Harman international

Und sowas kann man heutzutage noch einfach so bauen? „Einfach so“ eher nicht: Die Treiber gibt’s knapp vierzig Jahre nach Markteinführung verständlicherweise nicht mehr. Weshalb man auf den Gebrauchtmarkt angewiesen ist und auf einen guten Reconing-Betrieb.
Vor den Spaß haben die Lautsprechergötter eine Menge Schweiß gesetzt und fordern ein erkleckliches Maß an Toleranz gegenüber hässlich großen Investitionen in Altmetall und in eben dieser Phase befinde ich mich gerade. Ich plane, Sie hier vom Fortgang der Dinge zu unterrichten, erwarten Sie in der näheren Zukunft also reichlich Bilder von heruntergekommenen ollen JBL-Treibern und jede Menge Flüche über die Kosten des Imports von altem Zeugs aus den USA.