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Der aus der Kälte kam

Das ist nun weit davon entfernt, ein zur Veröffentlichung gedachten Foto zu sein, aber den hier wollte ich Ihnen nicht vorenthalten: Das ist der brandneue Vollverstärker der „Novosibirsk Electronic Manufacturing LTD“, kurz NEM.
Härtere HiFi-Fans wissen, dass ein Mann namens Aleksey Burtsev unter diesem Label Verstärker und D/A-Wandler baut, die der Münsteraner Vertrieb Ultraudio immer wieder mal nach Deutschland holt.
Der brandneue Vollverstärker aus Sibirien ist ein zweiteiliges Ungetüm von rund 85 Kilogramm Abtropfgewicht, in dem ein besonderes Derivat der 300B für knapp 15 Watt Ausgangsleistung pro Kanal gut ist. Eines der beiden Gehäuse beherbergt die Treiber-, das andere die Ausgangsstufe. Selbstverständlich agieren in beiden Fällen Unmengen von Induktivitäten als unverzichtbare Hilfsmittel der elektrisch extrem „kurzen“ Burtsev’schen Schaltungstechnik.
Ist nicht billig, das gute Stück (29k), aber bestimmt sehr spannend.

Mal sehen, vielleicht krieg ich sowas ja mal in die Finger.

Phono-Gefrickel professionell

Eine Phonovorstufe auf dem Headshell – das gab’s schon mal, ich meine von Clearaudio. Aber eine, die im Tonarmrohr verschwindet – das ist neu und geht (natürlich) auf das Konto eines langjährigen Frickelfestteilnehmers: Dominik aus Aachen hat mit seinem zu großen Teilen aus dem 3D-Drucker stammenden Tonarm sowieso schon für Aufsehen gesorgt, jetzt hat er die passende Erweiterung dazu gebaut. Das Headshell zu seinem „Calypso“ ist eine Platine, auf der die Phonovorstufe gleich mit untergebracht ist. Dank SMD-Bauweise ist die so schlank geraten, dass sie sich in das acht Millimeter durchmessende Tonarmrohr schieben lässt.
Sehr clever!


Wer seinen Tonarm selber baut, der hat auch keine Probleme damit, die Leitungen für die Versorgungsspannung zum Ort des Geschehens zu verlegen – richtig?
Bis jetzt ist das Ganze noch im Prototypenstadium und wir wissen noch nicht genau, was draus wird. Wenn das mal irgendwie erhältlich sein sollte, gebe ich auf alle Fälle Bescheid.

Big in Japan

Wie ich ja schon angedeutet habe, war „unser“ Paar der ALE-bestückten Lautsprecherdickschiffe auch schon in England zur Begutachtung. Tatsächlich gibt’s aber noch (mindestens) eine Adresse, die sich auch schon damit beschäftigt hat, nämlich Kenrick Sound in Japan – in der Vintage-JBL-Szene als professioneller Restaurator der alten Schätzchen aus Northridge nicht ganz unbekannt. Und Kenji wäre nicht Kenji, hätte er nicht die Videokamera draufgehalten:

Das dicke Ding, zum Zweiten

Heute wollen wir und mal einen Blick auf die Mitteltonsektion der beiden Fernost-Boxenmonster werfen. Zum Warmwerden erstmal der das als Antrieb fungierende Permendur-Monster neben einem gut abgehangenen JBL-Phenolharz-Zweizöller aus meinem Fundus. Der ist zwar auch nicht kleiner, aber locker fünf Kilo leichter:

Kommen wir mal zum Mitteltonhorn selbst. Das Ding ist locker 80 Zentimeter breit und so geschätzte 30 Kilogramm schwer. Es besteht im Wesentlichen aus geschichtetem Birkenmultiplex, der Treiber wird per Schraubflansch in eine locker 20 Millimeter dicke Aluplatte gedreht, die den rückwärtigen Abschluss bildet.









Auf zwei Bidern hab ich versucht, die strukturellen Probleme aufzuzeigen, die es bei dieser Konstruktion gibt. Der dicke Treiber zerrt dermaßen an dem Horn, dass es die Konstruktion buchstäblich zerreißt – wie man sieht, sind die Sektor-Unterteilungen innen im Horn schon auf der einen Seite abgerissen. Der Umstand, dass die Lautsprecher schon mindestens einmal um die Welt gereist sind, hat die Sache ganz eindeutig nicht besser gemacht. Vorher stand genau dieses Paar übrigens bei Audio Note in England – Peter Qvortrup und seine Mannen wollten aber offensichtlich auch nicht beliebig viel Aufwand in das Projekt investieren.
Die nächste schreinerische Sünde: stumpf verleimte Holzverbindungen, gnadenlos überfurniert. Das mag ein Jahr oder zwei gutgehen, irgendwann aber kommt die Racher des Materials und die Kante drückz sich gnadenlos durchs Furnier. Das tut’s hier auch bei dem Horn, das Problem gibt’s an anderen Stellen der Box aber noch ungleich schlimmer.

Für morgen plane ich, das Hörnchen inklusive Treiber in die Nähe unserres Lautsprechermessplatzes zu wuchten und dem Kollegen Schmidt unterzujubeln, der misst nämloch gerade den Einzelchassistest für die kommende Klang + Ton – vielleicht merkt er’s ja nicht ;-).

Einmal im Leben

Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist das hier das erfolgreichste Foto, dass ich jemals in die Social-Media-Welt entlassen habe:

Allerdings habe ich mie darüber ausgelassen, was das eigentlich ist und was es damit auf sich hat. Vielleicht ist es mal an der Zeit, das nachzuholen.

Jenes Foto zeigt einen Lautsprecher, von dem es gerüchteweise etwa fünf Paar auf der Welt gibt. Wieviele davon spielfähig sind entzieht sich meiner Kenntnis, das seit rund zweieinhalb Jahren bei uns im Verlag befindliche Pärchen ist es jedenfalls nicht – die Entwicklung des Projektes seitens des taiwanesischen Herstellers ist niemals abgschlossen worden. Das ist auch der Grund dafür, dass sich die beiden ernsthaft großen und schweren Konstruktionen in meiner Obhut befinden: Ein Bekannter mit besten Beziehungen zum asiatischen Besitzer hatte mich seinerzeit gefagt, ob wir nicht mal versuchen können, diesen Lautsprechern sinnvolles Leben einzuhauchen. So eine Chance lässt man sich natürlich nicht entgehen – das Konzept und die verbauten Ingredienzien sind einfach zu spannend, um sie nicht mal vors Mikrofon zu bekommen.
Das heißt: In der Box stecken pro Seite vier Treiber vom japanischen Kleinstserienhersteller Acoustic Laboratory Endo (ALE). Das ist (oder besser: war, denn wie es im Moment aussieht, gibt’s die Firma nicht mehr) eine dieser sagenumwobenen Manufaktoren aus dem Dunstkreis um Kondo und Goto – also das ganz exklusive Material. Google fördert eine Ebay-Auktion für Paar der fast 20 Kilo schweren Mittelton-Druckkammertreiber zutage, die für 17900 Dollar angeboten wurden. Gebraucht, versteht sich.

Welcher irgendwie mit der Entwicklung von Lautsprechern befasste Mensch würde sich nicht die Finger danach lecken, einmal mit solchen Preziosen spielen zu dürfen?

Stellt sich die Frage, warum die Lautsprecher ein relativ trauriges und wenig beachtetes Dasein in der Welt der Boxen-Exoten fristen, Potenzial für ordentlich Bkanntheitsgrad in der Szene hätten sie ja durchaus. Das liegt daran, dass bis jetzt neimand die Entwicklung abgeschlossen hat; die vom Hersteller mitgelieferten externen Frequenzweichen sehen zwar enorm imposant aus, erfüllen aber keine sinnvolle elektrische und akustische Funktion. Außerdem, und das ist das eigentlich Bedauerliche, wurden beim Bau der Gehäuse so viele Fehler gemacht, dass die Kisten eigentlich unbrauchbar und bereits in zunehmendem Maße dabei sind, in ihre Bestandteile zu zerfallen. Eine kommerziell verwertbare Entwicklung ist damit jedenfalls nicht zu machen. Das weiß auch der Besitzer der fünf Paar äußerst edlen Schrotts und hat seine Bemühungen um die Verwertung des Projektes verständlicherweise etwas reduziert.

Was mich in diesem zusammenhang umtreibt ist die kommende Ausgabe des Frickelfests. Irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt, die Exoten wenigestens einmal in einen anständig spielfähigen Zustand zu versetzen und ihnen wenigstens einmal einen angemessenen Auftritt zu verschaffen, die passenden Räumlichkeiten sind im Juni im neuen Austragungsort der Veranstaltung auf alle Fälle vorhanden.
Einstweilen haben wir erst einmal die Treiber aus einer der Vierteltonnenboxen ausgebaut und werden ihnen mal messtechnisch auf den Zahn fühlen. Keine Ahnung, ob da Sinnvolles bei herauskommt, ich halte Sie aber auf alle Fälle auf dem Laufenden.

Audiovista 2018


Auch wenn ich generell nicht dafür bin, die HiFi-Messelandschaft in Deutschland noch weiter aufzublasen, das hier hat möglocherweise wirklich Chancen: die „Audiovista„, eine am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal ausgetragene Kopfhörer-Show.
Nachdem die Canjam Europe einen ziemlich gegessenen Eindruck macht (die Webseite bewirbt noch fleißig das Event zur 2018er High End) ist der Weg frei für einen neuen Ansatz in dieser Hinsicht. Die Veranstalter sind sicherlich die richtigen: Hans Buxbaum, Szene-Blogger und Kopfhörerentwickler, hat sich mit Dieter Mallach (der ja so ganz nebenbei auch die hifideluxe ausrichtet) zusammengetan. Passt. Genau so wie die Location, nämlich das aaanalogforenbedingt weltberühmte Hotel Mercure in Krefeld-Traar als Austragungsort.
Klar war ich am Samstagmittag mal da, habe die Nase in den Wind gehalten und ein paar Bilder gemacht. Brechend voll war’s nicht, aber das ist weder zu erwarten gewesen noch wünschenswert. Das Entscheidende ist, dass da jemand das Heft in die Hand genommen und beschlossen hat, was zu tun.

Find ich klasse, ich komme wieder.

Richtig, Fotos. Hier.

European Triode Festival 2018

Machen wir’s diesmal etwas schlauer als sonst. Will sagen: Jetzt. Solange die Eindrücke noch frisch sind. Also das mit der Geschichte zum Event.
Das 2018er ETF ist das erste der neuen „Staffel“, die nach drei Jahren Dänemark in Frankreich ausgetragen wird. Genauer gesagt in der Normandie, in einem malerischen alten Dorf namens Bellême, unweit der berühmten Rennstrecke von Le Mans. Bellême deshalb, weil das seit ein paar Jahren der Wohnsitz von Tim Gurney ist, einem emigrierten Briten, den härteren Western-Electric-Fans vermutlich als Erbauer der „originalsten“ 12a/13a-Kopien bekannt, die für Geld und gute Worte zu haben sind. Und Betreiber des dazugehörigen Blogs 13Audio. Dank Tims bester Beziehungen zu Land und Leuten war dieses ETF das erste überhaupt, das nicht in der Abgeschiedenheit einer ansonsten unbevölkerten Ferienanlage ausgetragen wurde, sondern mitten im Leben, will sagen: mitten im Zentrum einer lebendigen Stadt. Was, das muss man neidlos anerkennen, ausgezeichnet funktioniert hat und von der Bevölkerung des ansonsten wohl nicht von allzuviel Tourismus heimgesuchten Örtchens durchaus goutiert wurde – jedenfalls waren einige der Würdenträger von Bellême da und hatten offensichtlich auch in den erfahrungsgemäß etwas härteren Abendstunden einer solchen Veranstaltung ihren Spaß.
Los ging’s für uns (Jochen, Floh und mich) am Mittwochmorgen ab Duisburg auf die 750 Kilometer lange Tour in die Normandie. Quer durch Paris war wie zu erwarten ein wenig zäh, danach wurd’s zunehmend einsamer, begleitet von immer nebligerem und dunkleren Wetter – die ersten Bilder der Fotostrecke zeigen das glaube ich ganz gut.
Unterbringung super, das Essen mitten in einem zum Restaurant umfunktionierten Schulgebäude mitten im Nirgendwo war spektakulär, so ging’s am Donnerstag Vormittag zum Aussuchen einer Vorführmöglichkeit und zur Installation unseres Krams. Wir haben ein hübsches ebenerdiges Plätzchen in einem mittelalterlichen Gebäude gefunden, das sich sogar akustisch wegen kompletter Asymmetrie und einer groben balkengestützten Dielendecke ausgezeichnet machte. Wir haben uns mit Andrejs Staltmanis zusammengetan, der, wie schon neulich beim Analog-Forum, unseren Cheap Trick 300 im Kofferraum hatte. Und wo Andrejs ist, da darf Arkadi nicht fehlen, der später am Tag mit einer seiner unverwechselbaren Verstärkerkreationen auflief. Diesbezüglich darben mussten wir auch so nicht: Die von Bernd B., der diesmal leider keines der begehrten ETF-Plätzchen ergattern konnte, entwickelten GM70-Monos mit MosFet-Treibern machten einen tollen Job bei der Ansteuerung sowohl der SpecHörner als auch der Laniakea, unserem erst vor Ort fertiggestellten Edel-Zweiwegeprojekt mit Scan Speak-Bestückung.
Irgendwie würde mir was fehlen, wenn ich beim ETF nicht noch schnell ein Paar Frequenzweichen bauen müsste…
Ich sag’s zwar nicht gerne, aber unsere in jeder objektiven Hinsicht besseren Edelböxchen hatten gegen die rohe Gewalt der Hörner nicht den Hauch einer Chance, allgemeine Akzeptanz zu finden. Noch nicht mal bei mir als Erbauer. Also haben wir uns bis auf wenige Stunden Ausnahme mit den Hörnern gefönt und hatten großen Spaß dabei, zumal der günstige Sica-Breitbänder dank einer geheimnisvollen Membranbeschichtung aus dem ganz tiefen Osten Europas nochmals kräftig zugelegt hat.
Lief für uns, soviel steht fest. Ziemlich großartig sogar.
Und bei den anderen? Da gab’s natürlich zuerst einmal das große System, der zentrale Anlaufpunkt eines jeden Triodenfestivals, im „Main Room“ einmal schräg über die Straße beheimatet. Diesmal gab’s zwei diverse Quadratmeter große Schallwände mit je drei leicht unterschiedlich angewinkelten Siemens-Klangfilm-Koaxialwandlern, die hier Monsieur Jean Hiraga himself einrahmen. Dabei hanelte es sich um eine artgerecht verbaute „Breitstrahlergruppe C72000-B2200-C54-2“. An diesem System hing das so ziemlich irrste Röhrenendstufenkonzept, das ich je gesehen und gehört habe: zwei je zweiteilige Monos, bei denen End- und Treiberröhren in weiten Grenzen austauschbar waren, das ging hinauf bis zur gewaltigen GM100, die das Aufmacherfoto oben zieren. Aber auch ein Pärchen TB5/2500 würde das Beheizen eines Wohnzimmers schon ziemlich souverän hinbekommen. An den Lautsprechern wurde auch das diesjährige Shootout ausgetragen, das Thema war – wen wundert’s – Single-Ended-Verstärker mit direkt geheizten Trioden. Gewonnen hat eine Konstruktion mit 100TH-Endröhren, die ursprünglich aus Japan stammte. Die Veranstaltung allerdings ist weitgehend an mir vorbeigegangen.
Unbedingt erwähnt gehört das internationale Projekt, bei dem „die Amis“ federführend agierten. Die beiden Wahnsinnigen Dave Slagle und Jeffrey Jackson lassen es sich ja seit Jahren nicht nehmen, allerlei exotisches Röhrentreibgut mit aufs ETF zu bringen und es mit der Unterstützung vieler kaum weniger Irrer in etwas sehr Besonderes zu verwandeln. Ich habe keine Ahnung, wie die Jungs es in jedem Jahr schaffen, nennenswerte Mengen von Quecksilber in leicht radioaktiv strahlenden Röhren aus den USA heraus und in die EU hinein zu bekommen. In diesem Jahr wurde die Herren übrigens wieder einmal von Herb Reichert begleitet, US-Audio-Journalistenlegende, Künstler und ausgesprochen ausgesprochen liebenswerter Mensch, den ich leider viel zu selten treffe.
In diesem Jahr ist bei den gemeinsamen Bemühungen ein absolut bemerkenswertes Mono-System herausgekommen, zu dem Tim Gurney ein Basshorn beigesteuert hat. Ich vermute mal, das für den Mittelhochtonpart zuständige Western Electric 24a dürfte auch aus seinem Fundus stammen. Horntreiber? Handmade in Germany by Dietmar H. natürlich.
Gut gefallen hat’s mit mir auch bei einer der französischen Demos. Ich muss gestehen, dass ich das Setup mit drei Altec A7 und und aktivem Sub nicht ganz verstanden habe, aber jedenfalls klang’s klasse.
Der ganz eindeutige Star der Show in Bellême war jedoch – Bellême. Als wir am Mittwochabend im dichten Nebel dort ankamen, war ich noch nicht überzeugt, am nächsten Morgen bei strahlend blauem Himmel jedoch war ich dem Charme der Lokalität binnen Minuten erlegen. Das mittelalterliche Ambiente in Kombination mit ganz viel französischer Lebensart ist eine Kombination, der man sich nur schwer entziehen kann.
Kommen wir wieder im nächsten Jahr? Aber sowas von. Und auch wenn Sie’s nicht so mit Röhren und Hörnern haben, kann ich einen Aufenthalt dort absolut empfehlen: Das ist ein magischer Ort.

Ja, klar, Bilder. Die ganze Show gibt’s beim Klick auf eines der Fotos oben oder hier.

[Edit 29.11.]: Zwei Korrekturen in Sachen Lautsprecher im „Main Room“ und beim Sieger des Shootouts eingefügt. Mein Dank an Frank Schröder für die Fakten!

Die Platte, die Sie wohl nie besitzen werden

Kennen Sie eigentlich Fynn Kliemann? Jenen auf den hintersten Hinterhöfen Niedersachsens großgewordenen Allesselbermacher, der derzeit wohl das Spannendste in Sachen Entertainment ist, was Deutschland seit Langem hervorgebracht hat?
Wenn Sie eher im Norden der Republik verortet sind, dann ist Ihnen der zappelige Schlaks garantiert schon irgendwo in Funk, Fernsehen oder Netz über den Weg gelaufen. Im Rest der Republik schwappt die Welle noch nicht so hoch, aber das ist garantiert nur eine Frage der Zeit.
Was das hier soll? Nun, Fynn Kliemann ist neben vielen anderen Dingen auch Musiker. Und er hat unlängst sein erstes Album veröffentlicht. Und da das etwas sehr Besonderes, verdient es an dieser Stelle erwähnt zu werden. Und das liegt noch nicht einmal daran, dass ich es musikalisch unglaublich großartig finde, das ist nämlich nur bedingt der Fall.Dass Fynn Kliemann erstes musikalisches Elaborat aus elf selbstgeschriebenen Titeln besteht, ist noch nichts weiter Besonderes. Dass das „Nie“ betitelte Werk in physischer Form auch in Vinylform gibt bzw. gegeben hat, schon eher.
Der Trick ist nämlich: „Nie“ ist „crowdgefundet“. Will sagen: Man konnte das Ding im Vorfeld bestellen und bezahlen und daraufhin wurde exakt die bestellte und bezahlte Anzahl physischer Kopien produziert. Verbunden mit der Garantie, dass das auf alle Zeiten hin die einzige Auflage des Werkes bleiben wird.
Diesem Aufruf sind dem Vernehmen nach erstaunliche 90000 Leute gefolgt und haben ihr hart Erarbeitetes dem Jungen aus Zeven anvertraut. Auch ich, weil ich die Aktion nämlich gut finde.
Sicher, das Album trifft den Zeitgeist der deutschen Musik ziemlich genau. Es ist sehr persönlich, sogar intim, überaus emotional. Und lässt die weitaus größte Anzahl der angesagten Sangeskünstler in diesem Lande noch peinlicher aussehen, als sie ohnehin schon sind. Klar hätte „Nie“ das Zeug zum Charterforlg. Nur wäre Fynn Kliemann nicht der schräge Querkopf, der er nunmal ist, wenn er sich der Anmeldung bei den für die Charts verantwortlichen Institutionen nicht konsequent verweigert hätte. Einen Major-Plattendeal hat er im Vorfeld natürlich auch ausgeschlagen und hat lieber sein eigenes Label gegründet, die Produktion hat er mit einem alten Kumpel zusammen gemacht.
Natürlich wäre die überaus sympathische Angelegenheit eine Geschichte in der „LP“ wert gewesen, aber: „Nie“ ist seit Ende September Geschichte. Ich hab meine Kopie, und Sie kriegen keine mehr. Von daher begnüge ich mich mit einem Kopfnicken in Richtung Kliemannsland an dieser Stelle.
Guter Junge das.