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Artikel - Pass Aleph 5-Clone - Seite 1
Kein Geld für einen Verstärker der absoluten Luxusriege? Macht nichts: Wenn es ein Verstärkerprojekt gibt, dass die HiFi-Selbstbaugemeide im Sturm erobert hat, dann sind das die Aleph-Endstufen von Nelson Pass. Mich auch, deshalb gibt es dieses Projekt
Es war gegen Anfang der 90er Jahre, da durchzuckte ein heller Blitz den düsteren Verstärkerhimmel. Während sich alle (verstärkerproduzierende) Welt ungeniert der „bigger-is-better“-Mentalität hingab und Endstufen immer unvernünftigeren Kalibers baute, tauchten aus dem sonnigen Kalifornien Verstärker auf, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Würfel. Rundherum mit Kühlrippen gepflastert. Mit, trotz nicht eben geringen Verkaufspreises, mageren 70 Watt Ausgangsleitung. Klanglich aber stiegen die „Aleph 0“ binnen kürzester Zeit zur Legende auf. Was war passiert?
Nelson Pass, auch damals schon einer der renommiertesten Verstärkerkonstrukteure aller Zeiten, hatte sein damaliges Unternehmen (Threshold) verlassen und war zu neuen Ufern aufgebrochen. Dass er große Hochleistungsendstufen mit cleverer Schaltungstechnik bauen konnte, hatten seine „Stasis“-Konzepte während der vorangegangenen 15 Jahre nachhaltig bewiesen. Nun aber dürstete es dem Meister nach neuen Pfaden, und die fand er im Rahmen seines damaligen Umfeldes nicht.
Und so zog sich Pass auf eine Farm im kalifornischen Forrest Hill zurück und investierte erst einmal in Maschinen. Fräsmaschinen zum Bau von Gehäusen. Behausungen, die eher an Borg-Kuben als an HiFi-Verstärker erinnerten. Ähnlich untypisch wie ihr Äußeres präsentierte sich auch das technische Konzept der neuen Endstufen, verließ Pass doch radikal den bis dahin als einzig selig machend geltenden Pfad der komplementären Gegentaktverstärker: Die Alephs waren Eintakt-Endstufen.
Das alleine wäre kein Grund gewesen nach Hause zu schreiben, huldigten Röhrenverstärker doch seit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhundert dieser Bauform. Allerdings waren die nostalgischen Realisationen des Eintaktverstärkers bis dato mit zwei großen Nachteilen behaftet: Sie konnten erstens kaum nennenswert Leistung erzeugen und brauchten zweitens ein „Entkoppelelement“ am Ausgang, dass den zwangsläufig anstehenden Gleichspannungsanteil aus dem Ausgangssignal entfernte. Das war meistens ein Transformator, in seltenen Fällen ein Kondensator. In jedem Falle bandbreitenbegrenzende und linearitätsverschlechternde Klangbremsen (die Röhrenverstärker-Fans mögen mir verzeihen).
Die Aleph-Verstärker litten unter keinem dieser beiden Nachteile. Der Trick bestand darin, eine Eintakt-Verstärkerstufe gegen eine Stromquelle als „Gegenpol“ arbeiten zu lassen. Am Knotenpunkt zwischen Verstärker und Stromquelle ist der Lautsprecher angeschlossen. Die Stromquelle ist auf einen Wert eingestellt, der dem maximalen Ausgangsstrom des Verstärkers entspricht. Die Eintakt-Stufe wird von eben diesem Strom als Ruhestrom durchflossen. Liegt kein Signal an, sorgt diese Konfiguration für eine Spannung von exakt null Volt am Ausgang. Ändert sich nun durch Aussteuerung der Strom durch die eigentliche Endstufe, muss ein Teil des von der Konstantstromquelle gelieferten Stroms woanders hin: Er kann nur durch den Lautsprecher – voilà, Verstärker fertig, und das in lupenreiner Class-A-Technik.
Okay, nicht ganz, tatsächlich aber besteht ein kompletter Aleph nur aus zwei Verstärkerstufen, bei anderen kommerziellen Konzepten können’s auch schon mal sieben sein. Wesentlichen Anteil am Funktionieren des Ganzen hat das „Wunderbauteil“, dass durch seine Implementation in den Pass-Verstärkern jener Tage seinen Ritterschlag erhielt: der Leistungs-MosFet. In seinen Charakteristika einer Röhre nicht unähnlich, erwies sich diese Bauform des Leistungshalbleiters als ideales Mittel zur Umsetzung des Konzepts.
Die ersten Aleph-Verstärker waren noch dreistufig aufgebaut, erst in späteren Inkarnationen reduzierte Nelson Pass das Konzept noch radikaler. Im Laufe der Zeit entstanden so insgesamt acht Endstufenmodelle, vom 30-Watt-Stero-Modell bis zum 200-Watt-Mono-Monster. Allen gemeinsam war ein miserabler Wirkungsgrad, der gerade die größeren Modelle zu veritablen Heizkörpern mutieren ließ.
Die schöne neue Aleph-Welt hielt rund zehn Jahre, dann zog „NP“ die nächste Trumpfkarte aus dem Ärmel: Sein „Supersymmetry“-Konzept läutete die nächste Ära bei Pass Labs ein. Und dann tat der Meister etwas sehr ungewöhnliches, wofür ihm die internationale „Löter-Gemeinde“ auf ewig dankbar sein wird: Er veröffentlichte die Schaltungsunterlagen zu den Alephs im Internet. Es dauerte nicht lange, und Selbstbau-Alephs heizten in allen Ecken der Welt, und sie tun es bis heute mit wachsender Beliebtheit.
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Letzte Änderung: 29.11.2003, 01:51 |
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