Abhängen auf hohem Niveau

Am vergangenen Wochenende war ich in Leipzig, Silvercore-Eigner Christof Kraus hatte zu einem gemütlichen Wochenende in seiner „man cave“ geladen, jenem feuchten Traum jedes HiFi-Fans, in dem ich schon vor ziemlich genau einem Jahr zu Gast sein durfte. Und genau das war’s auch: Zwei Tage des Schwelgens in meist glaskolbenbeseelten mehr oder weniger extremen Dingen, ein rundum gemütliches Beisammensein mit guten Freunden.
Mein herzlicher Dank geht abermals an Susanne und Christof – ihr seid wirklich tolle Gastgeber.

Ja, ein paar Fotos habe ich auch gemacht. Gibt’s hier. Das Titelfoto ist übrigens etwas durchaus Besonderes: eine originale Western Electric 212 und zwei Sendetriodenmonster vom Typ 450TH und 250TH laufen einem nicht alle Tage über den Weg.

ETF 2017

Am Sonntagabend sind Flo, Bernd und ich von unserer diesjährigen Reise in Dänemarks Osten zurückgekehrt und können vermelden, ein weiteres Mal großen Spaß beim European Triode Festival gehabt zu haben.
Die 2017er Ausgabe war die letzte, die das dänische Team in bravouröser Manier organisiert hat, für die nächsten drei Jahre geht’s nach Frankreich, unweit von Le Mans. Wie man an den Bildern schon ein bisschen erkennen kann, ging’s in diesem Jahr noch mehr ums Miteinander. Ein gepflegtes Schwätzchen war definitiv wichtiger als die – durchaus beeindruckende – ausgefahrene Technik, Kontaktpflege war Trumpf. Entsprechende „Pflegesprays“ gab’s zuhauf, so dass der Beginn des folgenden Tages meist ein wenig… verzögert war.
Leser der Klang+Ton-Facebook-Seite wissen, dass ich die letzten Tage und Nächte vor der Veranstaltung intensiv damit beschäftigt war, unsere neue Vorzeigebox „Todo“ rechtzeitig fertig zu bekommen, was mit knapper Not auch geklappt hat. Angetrieben haben wir das gute Stück mit einer spannenden Hybridendstufe von Flo und Bernd mit GM70 im Single-Ended-Betrieb im Ausgang, einer C3G am Eingang und einem Mosfet als Treiberstufe dazwischen. 20 Watt der zweifellos leckeren Art.
Phono- und Line-Vorstufen haben wir diverse benutzt, als Signallieferant diente „mein“ getreuer TechDAS Air Force III, und wie immer erwies sich der günstigste Tonabnehmer als der beste in solchen Situationen: Wenn’s einfach ums Musikhören geht, dann ist ein gutes MM das Mittel der Wahl. Wir haben auch ein wenig mit Bernd Hemmens Mördertonarm FCS gespielt, aber der machte uns nach kurzer Zeit leider per Defekt in der Feldspulenversorgung einen Strich durch die Rechnung.
Das große System in diesem Jahr war abermals eine internationale Kooperation. Als Lautsprecher fungierte ein Projekt von Konstrukteurslegende JC Morrison mit Volt-Bässen, großen Iwata-Hörnern und einem Holzhorn für den Hochton, an dessen Bestückung ich mich gerade nicht erinnern kann. Für die nötige Bassunterstützung sorgte gewaltig viel Membranfläche in einer Art AMT-Anordnung mit reichlich Quadratmetern als Schallwand nebendran. Die Verstärkung besorgten abermals Jeffrey Jackson und Dave Slagle, die es wiederum auf unerklärliche Weise geschafft haben, jede Menge radioaktiver Giftstoffe in Form uralter Röhren nach Europa mitzubringen. Die wohl schönsten anderthalb Watt, die ich je erleben durfte.
Die norwegische Fraktion karrte einmal mehr Großvolumiges an, diesmal machten sie auch nicht vor einem Pickup voll Basshorn halt. Das große JBL-Horn wurde von einem der brandneuen gewaltigen Celestion-Zweizöller befeuert, den habe ich im Nachgang gleich mal für die Klang + Ton geordert.
Und dann war da noch Reinout: Der Holländer war noch nie ein Freund niedlicher Verstärkerchen, in diesem Jahr hat er dann so richtig Ernst gemacht: Seine TB3/1000-Monos brauchen anderthalb Quadratmeter Standfläche. Wahnsinn.
Die beste Musik gab’s wie üblich bei Andrejs. Sein – röhrenfreies – Setup prügelte mit unserem Cheap Trick 290 los wie nichts anderes auf der Veranstaltung, die Box darf ohnehin als meist beachteter Lautsprecher bei der Veranstaltung gelten.
A propos Lautsprecher: Beim diesjährigen Shootout ging’s um Wandler mit mindestens 96 Dezibel Wirkungsgrad, die unterhalb von 300 Hertz vom Subwoofer des großen Setups unterstützt wurden. Gewonnen hat Mich Ulbrich aus Berlin mit einer offenen Schallwand mit zwei Sachsenwerk-Feldspulenbreitbändern und einem (glaube ich) JBL-Cateye in der Mitte. Ich habe nicht alle Kandidaten gehört, aber das Ding war wirklich gut. Von den Breitbändern hätte ich auch noch diverse im Regal liegen. Hmmmm…
Richtig gut wusste auch das zweifellos etwas speziell aussehende Horn von Frank Blöhbaum zu gefallen. Die Faltkonstruktion aus Kunstleder ließ alle dummen Sprecher zur Optik schnell verstummen. Ich hoffe inständig, dass Frank das Ganze zum Frickelfest zweikanalig fertig hat.

Soviel an dieser Stelle. Viel Spaß mit den Fotos. Sehr schöne Berichterstattungen gibt’s übrigens auch bei Thomas Mayer, Soren Hagel, hier und bei Jeffrey und Dave.

European Triode Festival 2016

Jawohl, 2016. Knapp zwei Wochen vor der 2017er Ausgabe des ETF ist mir aufgefallen, dass ich hier tatsächlich kein Wort über die letztjährige Veranstaltung habe fallen lassen. Was in Anbetracht des Umstandes, dass es bei der zweiten Runde in Dänemark echt klasse war, ziemlich unverzeihlich ist. Also gibt’s hier ganz fix noch ein paar Worte und Bilder zum letztjährigen Event.Das ETF ist ursprünglich eine dänische Erfindung und die Dänen veranstalten nun schon ihr zweites „Dreierpack“: Das ETF wird immer drei Jahre lang am Stück von einer Nation ausgetragen, bevor die Röhrenkaravane weiterzieht. Für diese Runde haben sich die Jungs die Ferienanlage Sankt Helene im Küstenstädtchen Tisvildeleje, rund 100 Kilometer nordwestlich von Kopenhagen ausgesucht. Das ist eine Anlage mit typisch skandinavischem Flair, ganz besonders im November. Natürlich ist da umd die Jahreszeit sonst keiner, so dass die ganze Anlage ausschließlich von Röhrenfreaks bevölkert und bespielt wurde. Weiterlesen

Mitbringsel

Vorgestern war ich in Ludwigsburg bei Stuttgart. Rund 840 Kilometer Autofahrt sind zwar nicht genau das, was ich so brauche, aber das hier war’s bestimmt wert:Das ist ein Paar sehr ernster aktiver Studiomonitore vom Typ Klein+Hummel OZ. Weiterlesen

Analogforum 2017

Gerade mal ein Autoviertelstündchen vom heimischen Domizil entfernt gab’s am vergangenen Wochenende das zehnte Analogforum im Krefeld-Traarer Mercure-Hotel. Man kennt sich, man schätzt sich, auch deshalb ist’s die gemütlichste aller HiFi-Shows im deutschen Messekalender.
Berichtenswertes? Einiges. Ganz besonders habe ich mich gefreut, dass Multicell-Hornexperte Markus Klug sich endlich mal mit seinen Kreationen der Öffentlichkeit gestellt hat. Die dicken Dinger, die sein verstärkerbauender Namensvetter und er da ins Kellergeschoss des Hotels gewuchtet hatten, gingen ziemlich ordentlich und hatten genau das richtige Maß an Vintage Sound.
Elac nutzte die Show gar, um ihr neues Plattenspielermodell weltweit erstmalig zu zeigen – nicht schlecht.
Andrejs Staltmanis spielte ein spannendes wie exotisches Lautsprechersystem, bei dem nicht nur aufs Gehäuse, sondern auch auf die Schallwand verzichtet wurde. Funktioniert bestens, das Geschütz.
Martina Schöner hat ihren neuen Lautsprecher fertig, der an Frans de Wits Irsinnsendstufe offensichtlich Außergewöhnliches zu leisten imstande ist. Ich kann’s nur rudimentär beurteilen, da war nie ein brauchbarer Sitzplatz zu bekommen.
Gut klang’s an erfreulich vielen Stellen, die Musikauswahl war im Mittel eine Wohltat – ich musste nur einmal vor „Hotel California“ flüchten. Besucher waren gefühlt etwas weniger als sonst, zumindest am Samstag. Aber da war das Wetter zum Teil auch ziemlich unerfreulich und in NRW sind irgendwelche Ferien losgegangen.
Mein Dank geht wieder einmal an Rainer Bergmann und sein Team von der veranstaltenden Analogue Audio Assocciation, habt ihr gut gemacht. CU next time!

Ach ja, Bilder: gucksdu.

Handwerkliches

Darf ich vorstellen? Mein neues Kamerastativ bzw. Fahrrad-Reparaturständer:

Ist ein bisschen von Jeremy Schmidts Konstruktion inspiriert und funktioniert bestens. Keine Probleme mit einer schweren DSLR an einem 1,40m langen Ausleger, den rund 30kG Beton im Fuß sei’s gedankt. Das Ganze ist beliebig höhenverstell- und drehbar, der Kameraausleger in alle Richtungen faltbar.
Auf der gegenüberliegenden Seite kann ich’s Fahrrad in einem Schnellspannschraubstock arretieren. Der Abstand zur Mittelsäule ist so groß, dass die Pedale frei drehen können.. Die Mittelsäule ist ein 60er Edelstahlrohr, die Konstruktion ist außerdem zerlegbar, sonst wäre das Ding kaum transportabel (wofür’s aber auch nicht wirklich gedacht ist).
Ob das mit meinen geplanten Youtube-Aktivitäten zusammenhängt? Sicher doch.

Bergkamener Hörtest 2017

Am gestrigen Samstag durfte ich wieder beim jährlich stattfindenden „Bergkamener Hörtest“ zu Gast sein. Auch die fünfte Ausgabe des Events wurde mit viel Liebe und Aufwand von Axel und Andreas nebst Familien und Freunden organisiert, meinen herzlichen Dank dafür – und für die abermalige Einladung.
Wie all diese Events in der DIY-Szene hat auch Bergkamen seinen ganz besonderen Charme. Es findet in einer mittlerweile zur internationalen Begegnungsstätte umfunktionierten Schule statt, zwei bis drei Räume werden hier jedes Jahr für die Selbstbauer „abgezwackt“. Hier geht’s besonders familiär zu; nur in Bergkamen kommen drei Generationen Familienmitglieder zum Musikhören, nur hier gibt’s Vater und Sohn, die mit gleichem Enthusiasmus bei der Sache sind. Hier herrscht immer eine besondere Form von Wärme, allein die macht den Besuch jedes Jahr zur Pflicht.
Zu sehen und zu hören gab’s jede Menge Interessantes. Besonders hängengeblieben sind mir zum Beispiel Andreas‘ JBL 4425-Klone, für die es hier eine frei verfügbare Bauanleitung gibt.
Jede wurden ausgezeichnet von einer Verstärkerkombi aus Aikido-Vorstufe und First-Watt-F6-Endstufe bedient.
Zu späterer Stunde – die Veranstaltung hatte sich bereits weitgehend in die Küche verlagert – durften wir noch einen inteniven Blick auf diverse selbtgebaute Leckerein werfen. Da gab’s eine dreistufige Halbleiter-Phonovorstufe, bei der die Offsetspannung nach jeder Stufe von außen abgleichbar ist. Oder einen Streamer auf Raspberry-Pi-Basis, der im einem Lagavulin-Karton „wohnt“. Ich wäre gerne noch zum weiteren Fachsimpeln geblieben, aber irgendwann lässt naturgemäß bei allen Anwesenden die Kondition nach; ich war um kurz vor vier morgens wieder daheim.
Abermals geht mein Dank an alle Organisatoren und Teilnehmer, ich freue mich schon aufs nächste Jahr.

Und ja, natürlich gibt’s Fotos, nämlich hier.

Westdeutsche HiFi-Tage 2017

Mit dem Oktober beginnt die HiFi-Veranstaltungs-Saison (okay für mich), gleichzeitig endet die Kurze-Hosen-Seaison (nicht okay für mich). Von daher war ich am Wochenende a) in Bonn bei den Westdeutschen HiFi-Tagen und habe dem Rest der Welt b) den Anblick meiner Beine erspart (zumindest an den Publikumstagen).
Bonn ist eine gut etablierte und bestens organisierte Veranstaltung, Probleme gibt’s höchstens mal mit der Hotellogistik: Man hatte in diesem Jahr bereits beschlossen, dass der Winter Einzug gehalten hat und die Heizungsanlage entsprechend instruiert, was zu teilweise wirklich unerfreulichen klimatischen Bedingungen in den Vorführräumen führte. Heizung ausschalten, Klimaamlage in Betrieb nehmen? Nicht möglich. So ist das wohl mit einer Austattung aus den großen Zeiten der Bonner Republik.
Es waren ordentlich viele Leute da, aber nicht soviele, dass es sich auf den Gängen und in den Vorführungen gestapelt hätte. Sehr angenehm. Ich habe praktisch keine Nörgler, Besserwisser und sonstige HiFi-Show-Psychopathen getroffen, sondern ausschließlich nette Leute. Vielen Dank dafür. Auch dafür, dass ich nur ein eiziges Mal „Keith don’t go“ hören musste.
Alles gut, ich komme wieder.

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